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Datenschützer: Online-Razzien fördern Wirtschaftsspionage

Diskussion über Bundestrojaner verstärken das Misstrauen in das Internet

München (ht) – Unternehmen befürchten unkalkulierbare Sicherheitsrisiken, sollten verdeckte Onlinedurchsuchungen auf Rechnern von Verdächtigen erlaubt werden. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble eckt mit seinen Plänen auf breiter Front an.

„Aus Gründen der Unternehmenssicherheit haben wir erhebliche Bedenken gegen den Einsatz eines Bundestrojaners,“ schlägt Andreas Jaspers Alarm. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherung (GDD) in Bonn befürchtet, dass die staatlich gewollten Lücken im Sicherheitssystem von Wirtschaftskriminellen ausgenutzt werden, um wertvolle Unternehmensinformationen oder personenbezogene Daten abzugreifen.

Technisch will das Professor Andreas Pfitzmann, Lehrstuhlinhaber für Datenschutz und Datensicherheit an der TU Dresden, nicht ausschließen: „Das Problem bei jeder Art von Schadsoftware ist, dass sie Trittbrettfahrer einlädt.“ Dass diese Gefahren real sind, bestätigt das

Bundesamt für Verfassungsschutz: Vor allem aus China seien in jüngster Zeit Hackerangriffe auf deutsche Unternehmen festgestellt worden, so Verfassungsschutz-Vize Hans Elmar Remberg.

Unabhängig von diesen wirtschaftlichen und rechtlichen Bedenken bezweifeln Experten generell die Wirksamkeit der Ermittlung per offizieller Spionagesoftware: „Viele Leute werden Sicherheitsprodukte gegen potenzielle Bundestrojaner verwenden“, lautet die Überzeugung von Stefan Strobel, Geschäftsführer des Sicherheitsspezialisten Cirosec.

Zwar könnten Sicherheitsbehörden auch auf das klassische Hacking eines bestimmten Rechners ausweichen, also die Suche nach Schwachstellen und das gezielte Eindringen ins System. Oder Betriebssystemhersteller würden verpflichtet, Hintertüren in ihre Software für Onlinedurchsuchungen einzubauen. „Aber so etwas lässt sich nicht lange geheim halten und wenn es heraus kommt, hat der Softwarehersteller ein Problem“, wiegelt Strobel ab.

Allein diese technischen Einwände machen eine zügige Umsetzung des Projekts Onlinedurchsuchung unwahrscheinlich. Trotzdem: Ein Opfer hat die Diskussion dieses Themas bereits gefordert, so Stefan Wolf, Professor für angewandte Informatik an der FH Lippe und Höxter: „Schon Schlagworte wie Bundestrojaner schaden dem Onlinevertrauen.“

Mehr zum Thema unter: www.computerzeitung.de/Bundestrojaner

Computer-zeitung.de 09.02.07

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